Home arrow Kunst dokumentieren arrow k3-Newsletters
Mittwoch, 14. Mai 2008
 
 
k3-artservices Newsletters

Finishing: Dibond, Diasec & Co

Über das Kaschieren von Fotografien von Dr. Susanna C. Ott, Kunstwissenschaftlerin Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Dem Sammler von zeitgenössischer Fotografie stellen sich wichtige Erhaltungsfragen nicht nur im Hinblick auf die verwendeten fotografischen Materialien, sondern auch auf die Präsentationstechniken.



Andreas Gursky: "Hong Kong Stock Exchange", Diptychon, 1994 C-print, Diasec, je 191x263.5cm (Ausschnitt)
Vor allem großformatige Fotografien, die von der Konsistenz her nicht sehr stabil sind, werden seit den 80er Jahren häufig mit vorder- oder rückseitigen Kaschierungen stabilisiert. Durch die dadurch erreichte Steifigkeit kann auf eine zusätzliche Rahmung verzichtet werden. Die Kaschierung dient damit häufig zugleich als ästhetische Präsentationsform. Auf diese Weise nachbearbeitete Fotografien stellen eine Vielzahl neuer Herausforderungen an Sammler und Restauratoren. In diesem Newsletter werden die gebräuchlichsten Kaschierungs-Techniken vorgestellt

DRY MOUNTING: RÜCKSEITIGE KASCHIERUNG AUF TRÄGERMATERIALIEN

Bei rückseitiger Kaschierung wird die Fotografie auf eine zugeschnittene Trägerplatte aufgezogen. Dies geschieht in der Regel mittels beidseitig klebender Folie (sogenantes dry mounting).
Das bekannteste Plattenmaterial, das für rückseitige Kaschierung verwendet wird, dürfte zur Zeit wohl Dibond® sein. Dabei handelt es sich um vergleichsweise leichte, dennoch biegesteife Aluminiumplatten mit Polyethylenkern.
Auch gebräuchlich ist Forex®, eine Produktbezeichnung für leicht geschäumte, geschlossenzellige Hartschaumstoffplatten mit einer besonders feinzelligen, homogenen Struktur und seidenmatten Oberfläche. Bei Kapa® handelt es sich um Kartonplatten mit Polyurithan-Hartschaumkern. Weniger bekannt ist Gatorfoam®, extrem steife Leichtstoffplatten im Sandwichsystem mit beidseitig harzgetränkten Oberflächen und einem extrudierten Polystyrol-Schaumkern.
Alle diese Trägermaterialien können auch direkt bedruckt werden.

FACE MOUNTING: VORDERSEITIGER SCHUTZ DER BILDOBERFLÄCHEN

Das sogenante face mounting wird unter anderem eingesetzt, um die Oberflächen von Fotografien vor mechanischen Beschädigungen oder Umwelteinflüssen wie Feuchtigkeit oder Schadstoffen in der Luft zu bewahren. Die Bildseite wird dabei vollständig durch eine Folie oder Glas- bzw. Acrylglasplatte versiegelt. Der Bildträger und die Fotografie werden damit untrennbar zu einer Einheit verbunden. Die Kaschierung kann nicht wieder von der Fotografie abgelöst werden und wird so zu einem Teil des Kunstwerks.

Laminierung mit Folien
Seit etwa 1980 werden Laminierungen im kommerziellen Bereich eingesetzt, meist, um Bilder im Außenbereich zu schützen. Es gibt eine Vielzahl von Laminier-Folien, deren Beschaffenheit sich optisch auf das Erscheinungsbild der Fotografie auswirken kann (zum Beispiel durch satinierende, milchige, nass glänzende oder matte Effekte). Ein Sonderfall sind antistatische Flüssiglaminate mit UV-Filtern, die wie ein Lack aufgetragen werden.
Probleme können vor allem bei speziellen UV-Schutzfolien auftreten, die zwar die Lichtbeständigkeit zunächst erhöhen, aber irgendwann keine Strahlung mehr aufnehmen können. Sie werden dann gelb und brüchig und sind kaum mehr von der Fotografie abzulösen.

Kaschieren der Bildseite mit Acrylglas
In der Regel werden Fotografien jedoch bei bildseitigen Kaschierungen durch eine transparente Kunststoffplatte aus Polymethylmethacrylat (PMMA), z.B. Plexiglas, versiegelt, die oft auch einen UV-Filter enthält. Für die Verbindung von Fotografie und Acrylglasplatte werden in der Regel doppelseitige Klebefolien verwendet. Der Klebstoff basiert meistens auf Acrylverbindungen; die meisten Hersteller bieten säurefreie Produkte an. Die Folien können einen klaren Kunststoffkern, gewöhnlich Polyester, zwischen den zwei äußeren Schichten Klebstoff haben, aber es gibt auch Klebstoffilme ohne Kern. Die Folie wird durch zwei Zylinder unter Hochdruck zwischen Fotografie und Acrylplatte appliziert.
Zusätzlich kann das vorderseitig kaschierte Bild noch durch rückseitige Kaschierung im sogenannten Sandwichsystem verstärkt werden. Es ist dann von zwei Platten umschlossen.

Diasec von einem Großfoto der Sixt-Werbung am Münchner Flughafen
Das gebräuchlichste Verfahren zur vorderseitigen Kaschierung von Fotografie ist das sogenannte Diasec®-Verfahren. Seine Wurzeln gehen auf ein Patent des Schweizer Chemikers Heinz Sovilla-Brulhart zurück, das dieser 1969 in Bern anmeldete. In den 70er-Jahren nutzte die Werbebranche Diasec® für hochwertige Präsentationen.

Thomas Struth: "Milan Cathedral (Interior), Milan", 1998 C-print, Diasec, 180.6x226cm
Erst Ende der 80er fanden dann zunehmend Künstler Gefallen an den mit Plexiglas kaschierten Bildern - nicht zuletzt um neue Sehgewohnheiten einzufordern und neue Präsentationsformen zu erproben. Der sich damals entwickelnde Trend zu großformatiger Fotografie hält immer noch an. Künstler wie Andreas Gursky, Thomas Ruff oder Thomas Struth haben seit den späten 80er Jahren Bildformate von mehreren Quadratmetern am Markt eingeführt. Auch das für Großformate prädestinierte Disaec® Verfahren hat dadurch zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Nur etwa zehn Fotolabors in Europa haben Lizenzen für Diasec® erworben und dürfen mit dem Originalverfahren arbeiten. Obwohl der Begriff Diasec® geschützt ist, hat er sich jedoch inzwischen als allgemeiner Begriff für das bildseitige Kaschieren von Farbfotografie und Inkjet etabliert.

Beim Diasec® Originalverfahren wird statt der normalerweise üblichen doppelseitigen Klebefolie eine ganz bestimmte Silikon-Primer-Mischung verwendet, um Fotografie und Acrylglas zu verbinden. Es handelt sich um einen Einkomponenten-Silikondichtstoff, der mittels atmosphärischer Feuchtigkeit aushärtet. Seine genaue Zusammensetzung ist nicht bekannt, der Hersteller nennt sie seine "Coca Cola Formel".

„Diasec“-Fertigung, Siliconklebstoffauftrag (Firma Stutz Image und Foto Center)
Der Hauptvorzug von Silikongummi gegenüber anderen gebräuchlichen Klebstoffen besteht darin, daß der Aushärtungsprozeß spontan im luftdichten Raum zwischen dem Abzug und der Acrylplatte abläuft, indem die in der Gelatineemulsion des Bildes vorhandene Feuchtigkeit als Katalysator für die Vernetzung genutzt wird. Die so entstehende Dehydration und Isolation verringern die Zahl von O2- und H2O-Molekülen, die während des von UV-Strahlung ausgelösten Zerfallsprozesses Ozon und Peroxid produzieren können.

Das Entscheidende an diesem Verfahren ist, dass die Lichtbrechung durch die mit der Fotografie fest verbundene Acrylglasschicht eine andere Wirkung erzielt als eine klassische Passepartoutrahmung mit Fensterglas. Der diffus gebrochene Streuanteil ist durch die weitgehende Homogenität des Acrylglasmediums bei Diasec® geringer, wodurch die Farben brillanter, gesättigter und schärfer wirken. Im Vergleich mit klassisch gerahmten Fotografien wirkt Diasec® daher unmittelbarer und präsenter.

MÖGLICHE PROBLEME BEI BILDSEITIGER KASCHIERUNG

Lichtbeständigkeit
Vermutlich war es in den 80er-Jahren tatsächlich so, dass das eine Plexiglas-Kaschierung mehr Schutz bot als andere Präsentationsformen. Doch durch den Fortschritt in der Langzeitstabilität neuerer fotografischer Emulsionen könnte es sein, dass der Materialmix, der bei Diasec® zwangsläufig entsteht, chemische Reaktionen ablaufen lässt, die eine Alterung der Fotografien eher begünstigen als vermindern.

Trübung einer Acrylglasoberfläche mit Abdruck des Musters einer Luftpolsterfolie. Fotomuseum Provincie Antwerpen
So weist eine Diplomarbeit an der Berner Hochschule der Künste, Fachbereich Konservierung und Restaurierung, nach, dass sich eine bildseitige Kaschierung mit Diasec® unter Umständen negativ auf das Alterungsverhalten der Fotografien auswirken kann („ Sabine Zorn: Das Diasec® Verfahren“). In der Diplomstudie überstanden unkaschierte Fotografien eine 88 Tage andauernde Belichtung mit 24 Kilolux besser als bildseitig mit Acrylglas kaschierte Bilder.

Fotografien auf Kodak Endura Foto-Papier schnitten hierbei noch schlechter ab als Inkjetdrucke auf Ilfo-Jet Papier. Dies belegt einmal mehr die Bedeutung des verwendeten Papiers und der Drucktechnik für die Haltbarkeit der Fotografien. Die Dunkelstabilität der kaschierten Bilder hingegen war größer als die unkaschierter Fotos.

Materialbeständigkeit

Zwischen Silikon-Primer und Klebefolie besteht zumindest optisch kein Unterschied. Wie sich die verschiedenen Materialien auf die Haltbarkeit der Fotografien auswirken, kann jedoch noch nicht beurteilt werden, da es noch keine Langzeitstudien gibt.
Ein mögliches Problem besteht darin, dass der verwendete Kleber nur bedingt beständig ist. Im Lauf der Zeit können Vergilbung, Schrumpfung und Verformung eintreten – eine Veränderung, die natürlich auch bei rückseitigen Kaschierungen auftreten kann.

Staubansammlung auf einer Acrylglasoberfläche. Fotomuseum Provincie Antwerpen
Chemische Rückstände in einem schlecht verarbeiteten Abzug und Essigsäure vom Aushärtungsprozeß werden vermutlich in einem kaschierten Print eingeschlossen, und der vollständige Ausschluss von Luftzufuhr könnte bei einer Farbemulsion das Verblassen des Cyanfarbstoffs beschleunigen.
Da Acrylglas kratzemfindlich ist, führt jeder Kratzer im Glas zu einem Schaden am Objekt, und damit an der Fotografie selbst. Das Auspolieren von Kratzern funktioniert nur schlecht.
Das Plexiglas kann zudem brüchig werden, vergilben oder Haarrisse bekommen.
Darüber hinaus kann die Fotografie beim Prozess des Aufziehens Schaden nehmen, in erster Linie durch die Feuchtigkeit im Papier, die zusammen mit dem Primer zu Farbveränderungen führen kann.

BESONDERHEITEN BEI LAGERUNG UND HÄNGUNG VON KASCHIERTEN BILDERN

Bei der Lagerung und Präsentation kaschierter Bilder müssen einige Besonderheiten beachtet werden. Als Verpackung sollten keine Luftpolsterfolien oder anderen Materialien verwendet werden, die Weichmacher enthalten, da diese chemisch auf das Acrylglas einwirken können. Insbesondere sollten keine strukturierten Folien in Berührung mit der Bildfläche kommen, weil dies zu milchigen Verfärbungen und Abdrücken führen kann.

Blick von vorne in Aufbewahrungskiste aus Holz, die vom Kunstmuseum Bern eigens für die Aufbewahrung von Diasec-Bildern angefertigt wurde.
Mechanischer Stress sollte möglichst vermieden werden, da er Verformungen verursachen kann, etwa bei schräger Lagerung durch Anlehnen an Wände. Ideal sind hingegen extra angefertigte Holzkisten mit passgenauen Halterungen, in die die Bilder eingesetzt werden.
Objekte ohne Rückseitenschutz sollten zumindest vor Transporten und Verleihvorgängen mit einem Schutz versehen werden, der das Fotopapier vor Beschädigungen bewahrt.Acrylglas ist statisch und zieht daher Staub und Fussel an. Die Reinigung sollte grundsätzlich nicht trocken vollzogen werden, um Kratzer durch Schmutzpartikel zu vermeiden. Besser sind (Kunst-)Leder oder Viskoseschwämme und Wasser. Keinesfalls sollte Glasreiniger verwendet werden, der zu Eintrübung führen kann.

Zum idealen Lagerungs-Klima gibt es noch keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse. Da Acrylglas aber thermischen Ausdehnungsschwankungen unterliegt, sollten Rahmen oder andere Halterungen immer genügend Spiel zulassen. Bei Spotbeleuchtung sollte darauf geachtet werden, dass diese nicht zu partieller Erwärmung führt.

Fazit
Kaschierungen sind durch die Möglichkeit rahmenloser Hängung und den oft als positiv empfundenen Einflüssen auf die Bildwirkung reizvolle Präsentationstechniken.
Zum Schutz und zur Konservierung von Fotografie eignen sie sich jedoch nur bedingt, da sie ihrerseits verschiedene Risiken bergen können.
Durch bildseitige Kaschierung mit echtem Glas können einige der bei Acrylglas auftretenden Probleme vermieden werden. So ist Glas zum Beispiel weniger kratzempfindlich, weniger anfällig für Verformung, es vergilbt nicht und lädt sich nicht statisch auf. Künstler wie Andreas Gursky, Thomas Demand oder Thomas Ruff haben zeitweilig mit Glaskaschierungen gearbeitet. Trotzdem spielt die Kaschierung mit Glas in der künstlerischen Fotografie bisher kaum eine Rolle, wohl wegen des hohen Gewichtes, der Bruchgefahr und der schwierigeren Verarbeitung.
Als unproblematischste Möglichkeit, Fotografien vor mechanischen Belastungen und Schadstoffen in der Luft wie Ozon, Stickstoffoxyde und Chemikalien zu schützen, muss daher wohl nach wie vor die Präsentation hinter Glas oder UV-Schutzglas gelten.